Anstatt sich auf die Beschreibung der Resultate und Effekte der ökonomischen Krise im arabischen Raum zu beschränken, versucht der Aufsatz die Wurzeln dieser Krise affenzulegen. Sie liegen in erster Linie in der politischen und strukturellen Fragmentierung der Region. Diese Fragmentierung hängt zusammen nicht nur mit den Partikularinteressen der illegitim gewordenen Regime in den einzelnen Territorialstaaten, sondern auch mit der Haltung westlicher Staaten zur Grundfrage der arabischen Einheit und der amerikanischen Nahostpolitik. Die im Rahmen des Nahast-Friedensprozesses angestrebte Middle East Community, in deren Mittelpunkt Israel steht, könnte die Fragmentierung der arabischen Region eher vertiefen. Weitere Ursachenkomplexe, auf deren Auswirkungen eingegangen wird, sind die Erdölpolitik, der Ölpreisverfall, die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern in der Region, das Fehlen eines vernünftigen regionalen Finanzausgleichs und die schwachen Strukturen des Finanzsektors sowie das unzulängliche Management des Entwicklungsprozesses. Es wurde u.a. festgestellt, dass die in den Defizitländern durchgeführten Reformen und Strukturanpassungsprogramme einerseits die makro-ökonomischen Daten verbessert, auf der anderen Seite aber zu hohe soziale Kasten verursacht und frühere Strukturverbesserungen (z.8. Agrarreformen) rückgängig gemacht haben; sie sind im wesentlichen „Krisenmanagement“. Nach Offenlegung der Wurzeln der Krise wird die Frage untersucht, inwiefern die in Angriff genommenen Konzeptionen der Middle East Community und der Euro-Mediterranen Partnerschaft die richtigen Strategien zur politischen und ökonomischen Stabilisierung der Region sind. Die letztere scheint mehr brauchbare Ansätze zu enthalten, müsste aber neue Instrumentarien, insbesondere für die Industriestrukturpolitik und die intra-regionale Zusammenarbeit, einbeziehen.