Argentinien und Venezuela können in der gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Konjunktur als Musterbeispiele für höchst unterschiedliche Entwicklungswege gelten: Argentinien ist nach der orthodoxen Anwendung neoliberaler Rezepte in eine schwere und andauernde wirtschaftliche Krise gesteuert, Venezuela versucht mit der sogenannten bolivarianischen Revolution unter Präsident Hugo Chávez alternative Wege zu beschreiten. In dem Beitrag werden die politischen Entwicklungen der beiden Länder seit den 1970er Jahren beschrieben und zentrale Weichenstellungen analysiert. Während die makroökonomischen Daten und die soziale Lage in Argentinien den Schluss zulassen, dass die im vergangenen Vierteljahrhundert angewandte neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik für die Krise verantwortlich zu machen ist, muss der Erfolg des in Bolivien verfolgten Entwicklungsmodells aus politischen Gründen als unsicher eingeschätzt werden.