Die Struktur der regionalen Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union ist geprägt von der kolonialen Vergangenheit einzelner EU-Mitglieder und ihrer Interessenspolitik. Die Mittelmeerregion stellt für die EU einerseits einen wichtigen Absatzmarkt dar, andererseits ist sie auf die Energieimporte aus dieser Region angewiesen. Zusätzlich spielt die geostrategische Position der Maghreb- und Maschrek-Lander nach wie vor eine wesentliche Rolle bei der Aushandlung von Hilfen durch die EU. Die Beziehungen zum Mittelmeerraum waren in der Vergangenheit stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängig und sind es zum Teil heute noch. Ebenso ist der Versuch, die wirtschaftlichen Interessen der Europäischen Union durch politische Kooperation abzustützen, in hohem Maße von der politischen Entwicklung im Nahen Osten abhängig. Die Beziehungen der Union zu Lateinamerika erfuhren – entgegen allen Erwartungen – trotz der Beitritte Spaniens und Portugals 1986 zur Gemeinschaft keine wesentliche Intensivierung. Die Kooperation der EU mit den Ländern Lateinamerikas erfolgt vor allem mit regionalen Zusammenschlüssen und basiert auf keinem für den gesamten Kontinent durchgängigen Konzept. Der Großteil der finanziell ohnehin marginalen Mittel geht keineswegs an die ärmsten Länder, sondern – ähnlich wie im asiatischen Raum an die reicheren Schwellenländer. Im Vertrag über die Europäische Union vom Februar 1992 wurden erstmals die Ziele und die zu ihrer Verwirklichung vorgesehenen Maßnahmen der EU-Entwicklungszusammenarbeit verankert. Entgegen den vielfachen Forderungen des Europäischen Parlaments und auch einiger EU-Mitgliedstaaten definiert der Vertag zwar – erstmals – die EZA als Politkbereich der Gemeinschaft, sieht jedoch – offenbar in Verfolgung des Subsidiaritätsprinzips – weder eine stärkere Vergemeinschaftung der EZA noch eine nennenswerte Aufstockung der Mittel für die Länder Lateinamerikas, Asiens und des Mittelmeerraumes vor. Ob und inwieweit sich durch den Beitritt der skandinavischen EFTA-Staaten, die zumindest in der Vergangenheit eine fortschrittlichere Entwicklungspolitik verfolgten, an der konzeptionellen wie auch an der finanziellen Ausrichtung der EU-Entwicklungszusammenarbeit wesentliches ändern wird, bleibt abzuwarten.