In Porto Alegre, der südlichsten Landeshauptstadt Brasiliens, geht die Reformpolitik der Regierung weit über Forderungen nach Effizienz und Sparmaßnahmen hinaus: 1989 haben markante Veränderungen bei der Festlegung von Investitionspräferenzen stattgefunden. Der Versuch der Lokalregierung, traditionell entmachteten Teilen der Zivilgesellschaft Partizipationskanäle zu öffnen, führte zur Bildung des Beirates des Partizipativen Budgets. Dieses repräsentative Organ der Zivilgesellschaft erstellt jedes Jahreinen Investitionsplan, der die Investitonspräferenzen aller 16 Regionen der Stadt enthält und auf formalen Verteilungskriterien beruht, die zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen. Erfolge sind auf beiden Seiten zu verzeichnen: kleine Investitionen an der Peripherie der Stadt anstelle von Prestigeprojekten, gesellschaftliche Lernprozesse in den Regionen, die Entstehung zahlreicher neuer zivilgesellschaftlicher Organisationen, Legitimation der Regierungstätigkeit – in Kürze – die Stärkung sowohl des Lokalstaates als auch der Zivilgesellschaft.