Der Beitrag zeigt entlang der wichtigsten Veröffentlichungen Andre Gunder Franks seine Entwicklung von der Erforschung des „europäischen Weltsystems“ zu einem globalistischen Erklärungsansatz. Frank postulierte mit seinem Buch ReOrient die Existenz eines frühneuzeitlichen Weltsystems mit weltumspannendem Charakter, in dem Ostasien (insbesondere China) die führende Kraft dargestellt habe. Als Triebkraft der weltwirtschaftlichen Entwicklung ortet Frank allerdings nicht die innere Stärke Chinas, sondern den globalen Wirkungszusammenhang. Demzufolge sei der Aufstieg der nordwesteuropäischen Seemächte zum Zentrum der Weltwirtschaft, den Frank erst an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ansetzt, nicht Ausdruck eines „europäischen Sonderweges“, sondern Resultat veränderter Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft. Der Beitrag greift die Einwände auf, die das Franksche Konzept eines „Single World System“ hervorgerufen hat und diskutiert abschließend Konsequenzen seines globalistischen Anspruchs für die globalhistorische Forschung.