Die Komplexität im interdependenten Zusammenwirken von Gender und Migration wird besonders deutlich in Detailstudien. So zeigt sich im ländlichen Zimbabwe, wie der Wandel der Geschlechterbeziehungen eng verwoben ist mit den Veränderungen der Arbeitsteilung und Ressourcenkontrolle. Die Geschlechterbeziehungen sind jedoch keineswegs auf das Reagieren der Frauen auf die Wanderarbeit der Männer zu reduzieren. Vielmehr verdeutlichen die Entscheidungsprozesse und Prioritäten der Frauen, wie sie aktiv die gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Transformation der ländlichen Gesellschaft mitgestalten. Auf der Haushaltsebene konzentrieren sich die Entscheidungsprozesse und Machtkonflikte über den Ressourcenzugang und die -kontrolle. Darum lässt sich in diesem Bereich besonders gut beobachten, wie Frauen die ländlichen Sozialbeziehungen neu definieren und mit innovativen Überlebensstrategien den Wandel der Agrarstruktur bestimmen. Ihre Interessen sind auch zentral für die Interdependenzen zwischen Land und Stadt. Die Wanderarbeit der Männer und neuerdings auch die Abwanderung junger, gebildeter Frauen vom Land erfordert es, Gender im Migrationskontext als Aushandeln von Interessen und Handlungsspielräumen zwischen Frauen und Männern, zwischen jungen und alten Männern sowie zwischen Frauen unterschiedlichen Alters und sozialen Status zu verstehen.