Im Rekurs auf postkoloniale Erkenntnisse zur Interdependenz von modernen Sexualitäts-, Rassen- und Geschlechterdiskursen problematisiert der Beitrag einige zentrale Setzungen einer Politik und Sprache der sexuellen (Menschen-)Rechte im Kontext von Entwicklung. Es wird diskutiert, in welcher Weise hier trotz progressiver Intentionen rassialisierte und/oder zivilisationsmissionarische Vorstellungen von der Notwendigkeit einer sexuellen Entwicklung der vermeintlich devianteren und/Sexuelle Rechte als befähigende Verletzungen oder in Traditionen verhafteten Anderen reifiziert werden. Gleichzeitig wird aber auch gezeigt, dass dies keinesfalls bedeutet, dass sexuelle Rechte nicht auch ermächtigende Effekte haben können oder dass Möglichkeiten der (subversiven) Aneignung ausgeschlossen sind. Sexuelle Rechte werden folglich als befähigende Verletzungen (Spivak) analysiert, welche innerhalb einer ambivalenten Gleichzeitigkeit von Ermächtigung/Subversion und Gewalt/Normierung jeweils situativ unterschiedliche Implikationen entfalten (können).