Der Artikel diskutiert Entwicklungsmodelle im Zentrum und der Peripherie der EU sowie deren Krise im Lichte kritischer lateinamerikanischer Entwicklungstheorien. Er arbeitet heraus, wie die Integrationspolitik der EU, speziell die monetäre Integration, eine Divergenz der Entwicklungsmuster befördert und in großen Teilen der Peripherie zur Etablierung von Entwicklungsmodellen beigetragen hat, deren Wachstum stark auf abhängiger Finanzialisierung beruhte und mit hohen strukturellen Leistungsbilanzdefiziten und rasch steigender Auslandsverschuldung verbunden war. Derartige Entwicklungsmuster waren nicht durchhaltbar. Die derzeitige Krise war im Integrationsmodell der Vorkrisenzeit angelegt. Abschließend diskutiert der Beitrag mögliche Szenarien der weiteren Entwicklung der EU. Aus dependenztheoretischer Sicht wäre ein Austritt der Peripherieländer aus der Euro-Zone trotz der damit verbundenen Probleme eine potenziell sinnvolle Option.