In dem Beitrag werden die theoretischen und entwicklungsstrategischen Konzepte des lateinamerikanischen Strukturalismus und der Dependenzschule vorgestellt und in ihre Entstehungskontexte eingebettet. Im Anschluss daran wird geprüft, inwieweit diese für die Analyse und Erklärung der Weltungleichheitsordnung und insbesondere für die krisenhafte Integrationsdynamik der Europäischen Union Relevanz besitzen. Am Beispiel zentraler Konzepte, unter anderem Peripherisierung, strukturelle Heterogenität und peripherer Kapitalismus, wird gezeigt, dass diese in der Lage sind, gegenwärtige Raumhierarchien und Peripherie-Profile in der EU angemessen zu beschreiben. Auch die politischen Vorschläge, die die lateinamerikanischen Intellektuellen auf Basis ihrer Analysen entwickelt haben, können nach Meinung der Autorin wichtige Impulse für die Diskussion über Alternativen zum gegenwärtigen neoliberalen Integrationsmodus der EU geben. Konzepte wie das der endogenen Entwicklung und der kollektiven Self-Reliance zeigen einen Vektor für eine Transformation an, die allerdings unter den herrschenden Kräfteverhältnissen vorerst eine normative Utopie bleibt.