Diese Ausgabe des JEP widmet sich der Frage nach dem Potential politischer Kunst zur Kritik
und Veränderung gesellschaftspolitischer Verhältnisse und sozialer Realitäten. Anlass dazu ist das österreichweite Kunst- und Kulturfestival Onda Latina (www.ondalatina.at), das im Frühjahr 2006 in ganz Österreich stattfand. Während die Instrumentalisierung von Kunst durch Politik ein historisches Faktum darstellt, das in Anbetracht des häufigen Missbrauchs von Kunst zu Propagandazwecken in autoritären und faschistischen Regimes leider allzu evident ist, scheiden sich über die politische Wirksamkeit von Kunst die Geister. Vermag politische Kunst aktiv auf gesellschaftspolitische Verhältnisse einzuwirken? Ist Kunst eine Kraft zur Kritik sozialer Realitäten und an gesamtgesellschaftlichen Umwälzungen beteiligt? Oder scheitert Kunst zwangsweise an diesem Anspruch und bleibt eine radikale, aber ohnmächtige Kritik an der Gesellschaft?