In diesem Artikel werden historischer Kontext, Inhalte, innen- und außenpolitische Zielsetzungen sowie die Wirkung der “African Renaissance” untersucht, die der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki seit 1996 in den Mittelpunkt fast aller öffentlichen Äußerungen stellt. Bei diesem programmatischen Leitbegriff handelt es sich um den Versuch Mbekis, sich aus dem großen Schatten Nelson Mandelas zu lösen und eine eigene Vision für die Zukunft Südafrikas wie des gesamten Kontinents zu formulieren. Dabei gehört es zu den Charakteristika solcher Leitbegriffe, dass sie weitgehend unkontroverse Zielsetzungen mit der Aura der Größe und Schicksalhaftigkeit aufladen, ohne dass auf die kontroversen Details der konkreten politischen Umsetzung eingegangen wird. Die “African Renaissance” von Thabo Mbeki ist weder politisches Konzept noch Strategie. Sie bleibt vage, um im innen- wie außenpolitischen Diskurs Anschlussmöglichkeiten für heterogene Interessengruppen zu liefem. Der Begriff soll Aufbruchstimmung signalisieren und mobilisierend wirken. Das neue Südafrika wird als fester Teil des Kontinents definiert, um gleichzeitig den südafrikanischen Führungsanspruch zu untermauem. Trotz großer Bemühungen von Seiten Südafrikas ist die Anschlussfähigkeit des Leitbegriffes im restlichen Afrika begrenzt. Es gibt bisher nur wenige Indizien dafür, dass Mbekis “African Renaissance” nicht ein ähnliches Schicksal erleiden wird wie Kwame Nkrumahs “Pan-Africanism” oder Kenneth Kaundas “African Humanism”.