Der Artikel teilt sich in drei Teile, einen theoretischen, einen historischen und einen politischen. Eingangs wird die domainante wirtschaftswissenschaftliche Geldtheorie dargestellt, die Geld bloß als einen Schleier über den realen wirtschaftlichen Prozessen sieht. Geld wäre demnach ein neutrales Medium, würde die Politik nicht Verzerrungen produzieren. Dem stelle ich einen sozialwissenschaftlichen Ansatz gegenüber, wonach Geld eine soziale Institution ist, in der sich politische Kräfteverhältnisse widerspiegeln. Im zweiten Teil werden drei Typen des Geldregimes analysiert: der Goldstandard vor dem Ersten Weltkrieg, das national kontrollierte Geld der Periode des Brellon-Woods-Systems und das intemationalisierte Geldregime danach. Im dritten Teil können dann Schlüsse darüber gezogen werden, wie mit Geld Politik gemacht wird. Seit rund 20 Jahren produziert die vermeintliche Neutralität der Geldpolitik einen immer massiveren Druck auf die Fiskalpolitik und hat auf diese Weise zur Zerstörung der nationalstaatszentrierten Entwicklungsweise beigetragen.