Das Modell der partizipative Entwicklung impliziert normative und paradoxe Handlungsvorgaben für angemessene Interaktionen zwischen EntwicklerInnen mit zu Entwickelnden, die sich nicht ohne weiteres in verschiedene Kontexte übertragen lassen. Anhand der Ergebnisse einer ethnologischen Feldforschung in Niger zeigt der Artikel, wie internationale ExpertInnen versuchen, sowohl ihre beruflichen als auch ihre privaten Kontakte zur lokalen Bevölkerung entlang dieser partizipativen Ethik des Fremdverstehens zu gestalten und welchen Schwierigkeiten sie dabei begegnen. Ich argumentiere, dass die widersprüchlichen Handlungsvorgaben für den Umgang mit der Differenz zu den Anderen in der Entwicklungsbeziehung oft dazu führten, dass westliche EntwicklungsexpertInnen Kontakte zu NigerInnen als kaum zu lösendes Dilemma erlebten. Da die Versuche, ihr moralisches Wissen im Rahmen interkultureller Kontakte anzuwenden, häufig scheiterten, zogen es viele EntwicklerInnen vor, sich von Kontakten zurückzuziehen, um auf diese Weise potentiell problematische Situationen zu vermeiden.