Im vorliegenden Artikel werden Ansätze zum guten Leben aus europäischen und lateinamerikanischen Diskussionen in ihren jeweiligen Kontexten dargestellt, gewürdigt und ihre Bedeutung für aktuelle philosophisch-politische Fragen analysiert. Als Beispiel für das moderne gute Leben wird ein Überblick über Amartya Sens Fähigkeitenansatz gegeben, der wie viele andere derartige Überlegungen auf die aristotelische Glückseligkeit rekurriert. Hauptsächlich fokussiert der Artikel aber die Darstellung der zentralen Ideen und Inhalte eines vielschichtigen Konzepts aus der Peripherie das buen vivir, das vor allem in Bolivien und Ecuador politische Relevanz erlangt hat und sich als Gegenentwurf zum westlichen Verständnis von Entwicklung als Wachstum versteht. Der Artikel schließt mit einem Vergleich der beiden Konzepte und zieht Schlüsse zum unterschiedlichen Verständnis von Entwicklung und den möglichen Beiträgen der Konzepte für ein gutes Leben für alle.