In diesem Attikel werden zunächst die verschiedenen Zugänge zur Frage nach der Relevanz von Kultur in den unterschiedlichen Strängen der entwicklungstheoretischen Diskussion zusammengefaßt. Es wird argumentiert, daß trotz seiner scheinbaren Neuheit das Thema “Kultur und Entwicklung” zum Altbestand entwicklungstheoretischer Reflexion gehört. Insbesondere die modernisierungstheoretische Tradition hat diesem Thema viel Aufmerksamkeit gewidmet, dabei aber einen instrumentellen Zugang entwickelt, der Kultur lediglich als eine intervenierende Variable im Entwicklungsprozeß betrachtet. Zu einer anderen Perspektive gelangen Ansätze, die einen in der Ethnologie gebräuchlichen Kulturbegriff wählen und Kultur als Totalität verstehen. Kultur bleibt dann nicht mehr eine Variable unter anderen im Rahmen des, stets übergeordneten, Entwicklungsprozesses, sondern Entwicklung selbst wird als ein Teil der Kultur der Entwickler verstanden. Zuletzt aber wird in diesem Artikel betont, daß in beiden referierten Zugängen ein Verwirrspiel stattfindet, solange Fragen von Macht und Verteilung ausgespart bleiben. Ausgehend von den Arbeiten Michel Foucaults, der Cultural Studies und Atturo Escobars wird aufgezeigt, daß Kultur selbst als ein Begriff verstanden werden muß, der aus einem spezifischen kulturellen und politischen Kontext stammt. Eine ständige Reflexion des eigenen Kulturbegriffes ist deshalb vonnöten, soll dieser Begriff sinnvoll verwendet werden.