Der Beitrag behandelt die neoliberale Transformation in Chile, wobei zum einen die gewaltsame Umstrukturierung im Gefolge des Militärputsches 1973 und zum anderen die anhaltende Wirkungsmacht neoliberaler Hegemonie in der chilenischen Gesellschaft untersucht wird. Um die breite Unterstützung für die autoritäre Modernisierung zu begründen, wird in einem ersten Schritt die Entwicklung der chilenischen Wirtschaftseliten, die bis weit in die Mittelschichten hinein die soziale Basis des Regimes bildeten, seit den 1930er Jahren nachgezeichnet. In einem zweiten Schritt wird gezeigt, auf welche Weise Staatsführung, marktradikale Intellektuelle und Technokraten (im Verbund mit Medien) zusammenwirkten, um die Gesellschaft systematisch marktförmig zu machen. Die Entfaltung eines machtvollen neoliberalen Diskurses hatte zusammen mit konkreter Interessenorganisation und der Etablierung und institutionellen Absicherung einer neoliberal orientierten ökonomischen Expertokratie wesentlichen Anteil daran, das “neoliberale Gründungsprojekt” in Ökonomie und Gesellschaft zu konservieren.