In dem Artikel werden die Kernelemente der neuen neoliberalen Armutspolitik, die die Internationalen Finanzinstitutionen ab Mitte der 1980er Jahre entwickeln und umsetzen, am Beispiel Lateinamerika dargestellt; im wesentlichen handelt es hierbei um die internationalen Sozialfonds und die Poverty Reduction Strategy Papers (PRSPs). Anhand ihrer zentralen Säulen wird analysiert, ob und inwieweit diese neuen Instrumente in der Praxis wirksam sind und ihrem Selbstverständnis auf Armutsbekämpfung gerecht werden. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die neuen Strategien die Armen zwar parziell erreichen, aber in ihrer bisherigen Form keinen Beitrag zu einer nachhaltigen Armutsreduktion leisten. Dies liegt nach Ansicht des Autors vor allem darin begründet, dass ihre positive Wirkung durch makroökonomische Effekte einer neoliberal ausgerichteten Politik konterkariert oder sogar aufgehoben wird. Im letzten Teil werden deshalb Denkansätze vorgestellt und diskutiert, die über den Sozialliberalismus hinausweisen.