Jules Falquets Essay befasst sich aus feministischer und globalisierungskritischer
Sicht mit dem Fall Dominique Strauss-Kahn, also mit dem prominenten sozialdemokratischen Politiker und (damaligen) Direktor des Internationalen Währungsfonds, der im Mai 2011 von einer Angestellten eines New Yorker Luxushotels wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt wurde; der Vorfall offenbarte im Zuge seines großen medialen Aufsehens eine seit vielen Jahren wiederkehrende Verstrickung Strauss-Kahns in Korruptionsvorwürfe wie auch in mehrere, teils gerichtsanhängige Fälle sexueller Ausbeutung von Frauen. Die Autorin verdeutlicht die enge Verbindung zwischen geschlechtsbasierten und neoliberal-ökonomischen Gewaltstrukturen, Ausbeutungsverhältnissen und Prekarisierungspolitiken. Vom Fall Strauss-Kahn bis hin zu den Frauenserienmorden in der mexikanisch-US-amerikanischen Grenzregion wird ersichtlich, dass sexuelle Gewalt aus (vergeschlechtlichten) globalen Ungleichheitsverhältnissen resultiert und sie zugleich reproduziert. Die Straflosigkeit der Akteure stellt ein wesentliches Element dieser internationalen Verflechtungen dar.