Entwurzelung von Menschen, definiert als Verlust ökonomischer, sozialer und kultureller Bindungen und Gebundenheiten, ist ein wesentlicher Grund für das Ansteigen der weltweiten Migrationen. Meist sind es exogen initiierte Modernisierungsprozesse, die zu Entwurzelung und zum Entstehen eines Migrationspotentials beitragen, indem sie Reproduktion an einem bestimmten Ort unmöglich werden lassen, weil sie die gesellschaftlichen Institutionen, in die Leben eingebettet war, zerstören. Gegenwärtig sind es die Folgen der Globalisierung, die zu Massenentwurzelung rund um den Erdball führen. Exportorientierte Industrialisierung und Landwirtschaft, beide untrennbar verbunden mit internationalen Direktinvestitionen in Ländern der Peripherie, die immer direktere Anbindung von immer mehr Menschen an die Dynamiken des Weltmarktes und die allgegenwärtige Präsenz US-amerikanischer, westeuropäischer oder japanischer Kultur schaffen ein Reservoir von sozial, wirtschaftlich und kulturell entwurzelter und deshalb wanderungsbereiter Menschen. Gleichzeitig formiert sich mit der Globalisierung ein transnationaler Raum, der die Mobilität erleichtert und die Abwanderung in die Arbeitskräfte nachfragenden Zentren fördert.