Der Artikel gibt auf der Grundlage einer umfangreichen Materialauswertung (Artikel, Erinnerungen und Interviews mit führenden Wissenschaftlern) einen Überblick über die Entwicklungsländerforschung der DDR. Er reicht von den Anfängen zu Beginn der 50er Jahre bis zum Ende der DDR. Es wird aufgezeigt, wie diese Forschungsrichtung nach einer erfolgreichen Aufbruchphase seit Ende der 60er Jahre schrittweise ihres einstigen Innovationspotentials verlustig ging. Die Ursachen dafür lagen in der zunehmenden Dogmatisierung der theoretischen Grundlagen und der Unterordnung der Wissenschaft unter die Politik. Dennoch gab es mit der Wende 1989 die Chance, das große Potential für einen tragfähigen Neuanfang nutzbar zu machen und in eine gesamtdeutsche Wissenschaftsreform einzubringen. Mit der staatlichen Vereinigung Deutschlands musste jedoch diese Hoffnung begraben werden.