Anhand der Erfahrungen der europäischen Integration versucht Jaime Marques-Pereira mögliche Szenarien regionaler Integration für Lateinamerika zu entwerfen. Genauso wie die Entstehung der EU ist auch die zukünftige Entwicklung im Cono Sur Pereira zufolge in erster Linie ein politischer Prozess und kein ökonomischer Sachzwang. Diese zentrale These versucht er anhand eines konkreten wirtschaftspolitischen Themas, nämlich “Geld” und seiner Regulierung, zu verdeutlichen. Mit deutlicher Bezugnahme auf die Arbeiten französischer Ökonomen wie etwa Michel Aglietta und Andre Orlean geht Pereira davon aus, dass das jeweilige Geld- und Währungsregime Ausdruck politischer Kräfteverhältnisse ist, die ihre Entsprechung in der Höhe von Inflationsraten und Wechselkursen finden. “Die ökonomischen Funktionen des Geldes sind nicht unabhängig von ihren gesellschaftlichen”, schreibt Pereira. Ein Geldregime kann daher nur dann dauerhaft etabliert werden, wenn die jeweilige Regulierungsinstanz (Staat, Nationalbank, supranationale Institution etc.) politische “Legitimität” erlangt, d.h. glaubwürdig vermittelt wird. In den 80er Jahren gelang es im Zuge der weltweiten “monetaristischen Revolution” auch in Lateinamerika, eine neoliberale Wirtschaftspolitik gesellschaftlich tragfähig zu machen. Diese fußt auf Inflationsbekämpfung, Aufgabe der Währungssouveränität und Reduzierung der Staatsausgaben. Heute, im Zuge der Debatte um die regionale Integration in Lateinamerika (Mercosur etc.) stehen erneut Aushandlungsprozesse über ein künftiges Geld- und Währungsregime – und damit der wirtschaftspolitischen Orientierung überhaupt – an. Pereiras diesbezügliche Intervention zielt dabei auf die Wiedererlangung währungspolitischer Souveränität des (auch supranationalen) Staates, eine eindeutige Umverteilungspolitik von oben nach unten sowie auf eine Absage an die Unterwerfung der Wirtschaftspolitik unter das angebliche Diktat der Finanzmärkte.